Nachtzug mit Kleinkind – ein Erfahrungsbericht

Schon mal an einen Städtetrip mit Nachtzug und Kleinkind gedacht?

4–6 Minuten

Wir zuerst nicht. Ein zunehmendes Fernweh, die zahlreichen verlängerten Wochenenden und die zum Reisezeitpunkt ziemlich teuren Flüge für uns Drei, hatten uns auf diese Idee gebracht, speziell da unsere Kleine schon über 2 Jahre ist. Ob Paris, Rom, Amsterdam oder Hamburg – wir waren offen für alles, schließlich haben wir im Nachtzug nach Paris noch Tickets ergattert und haben mit unserer Kleinen (2) das Abenteuer „Nachtzug“ gewagt.

Reserviert hatten wir die 2 unteren Liegen in einem 4er Liegewagen. Wir wussten natürlich nicht, wer unsere Mitreisenden sind und wie die Nacht für uns Drei sein wird. Ohne Kind waren wir früher oft in Hostels. Wir lernen gerne neue Leute kennen und freuen uns über nette Gespräche, aber ob das mit unserer Kleinen klappt? Sind unsere Mitreisenden laut, kramen sie ewig in ihrem Gepäck herum, inklusive raschelnder Plastiksackerln (Plastiktüten)? Wird laut geschnarcht? Wir wussten es nicht, sind optimistisch in den Zug gestiegen und haben uns überraschen lassen. 

„Unvorhersehbares birgt die Chance, positiv überrascht zu werden.“

Es geht los – die Abfahrt

Wir waren positiv überrascht. Abfahrt war an einem Donnerstagabend in Wien. Bettlaken, Decke und Kopfpolster (Kissen) lagen schon da – Bett muss man selber machen. Der Schaffner gab uns die Info, dass in Salzburg 2 Personen zusteigen werden. Wir waren etwas aufgeregt – unsere erste Nachtzugreise! Nachdem wir es uns gemütlich gemacht haben, sind wir recht bald eingeschlafen. In Salzburg sind die beiden Mitfahrenden zugestiegen. Sie waren so leise, wir haben sie fast gar nicht gehört. In der Früh, die Kleine hat durchgeschlafen, gab es bald Frühstück , das unsere Erwartungen übertroffen hat (es gab frische Semmeln, Marmelade und Kaffee). Wir haben die Liegen hochgeklappt und zusammen mit unseren Mitreisenden gefrühstückt. 

Unsere Mitreisenden waren sehr nett, geschlafen haben wir alle halbwegs gut. Summa summarum war die Hinfahrt schon mal ein positives Erlebnis. Ich hab mir das Bett mit der Kleinen geteilt, da sie noch kostenlos im Zug mitfährt. Das ging ganz gut, der vorhandene Rausfallschutz war aber nötig, da die Liegen doch etwas schmal sind (aber wer kennt das nicht, in unserem Familienbett hätte ich auch nicht mehr Platz).

Gebucht hatten wir ein Hotel in der Nähe vom Bahnhof Gare de l’Est, ca.10 Minuten Fußmarsch entfernt. Das fanden wir sehr praktisch. Nachdem Check-in am Vormittag, sind wir in das Stadtleben eingetaucht. Der Gare de l’Est liegt unweit vom Canal Saint-Martin, sehr nette Lokale und nicht komplett mit Touristen überfüllt.

Hier findest du den Beitrag über unsere Sightseeing Tour durch Paris. 

Nightjet - Nachtzug der ÖBB
Nightjet – Nachtzug der ÖBB

Zurück müssen wir auch wieder – die Rückfahrt

Der Zug zurück ging am Sonntagabend. Sehr praktisch ist gewesen, dass wir nicht nur ein Hotel unweit vom Bahnhof hatten, sondern auch einen Spielplatz neben dem Bahnhof entdeckt haben – inmitten eines kleines Parks. Dort sind wir bis kurz vor Abfahrt geblieben. Am Bahnhof haben wir noch Abendessen besorgt und dann gings wieder rein in den Nachtzug. Wir waren positiv gestimmt und haben uns auf eine weitere Nacht im Zug gefreut. Wieder stellten wir uns die große Frage, wer mit uns im Abteil schlafen wird. Diesmal hatten wir von Anfang an einen Mitreisenden in unserem Abteil – wieder sehr nett, absolut rücksichtsvoll und mit einer spannenden Lebensgeschichte. Diese Nacht war sogar besser als die erste, wir schliefen alle sehr gut, die Kleine hat sogar das Frühstück verschlafen. Frühstück war wieder top. Generell war es im Nachtzug auf beiden Fahrten ruhig, auch aus den anderen Abteilen war wenig zu hören. 

Bahnhof Gare de l'Est
Bahnhof Gare de l’Est

Das rollende Hotelzimmer – der Liegewagen

Viel Komfort darf man sich nicht erwarten, die Liegen sind ca. 60 cm breit und jemand, der 2 m groß ist, wird in der Länge die Beine etwas anziehen müssen. Unsere Kleine hat von uns Drei definitiv am besten geschlafen, wahrscheinlich auf das kontinuierliche Ruckeln des Zuges zurückzuführen. Das Bettlaken ist ungefähr so wie ein Hüttenschlafsack und die Decke war verhältnismäßig dünn, im Abteil war es aber ziemlich warm. Toiletten befinden sich am Gang, sowie separate Räume mit Waschbecken, wo genug Platz zum Zähneputzen ist. Alles war verhältnismäßig sauber. Für Kinder ist Reisen im Zug mit viel Bewegungsfreiheit verbunden. Wir fanden mit der Kleinen die untere Liege am praktischsten, falls man z.B. raus muss. On top waren wir begeistert vom Frühstück. Da die Kleine noch nichts bezahlt, gab es für sie kein Frühstück, daher: entweder teilen oder Reiseproviant mitnehmen. 

Fakten

  • ÖBB Nightjet
  • im 4er Liegewagen
  • Frühstück (2x Marmelade, Butter, 2 Semmel, 1 Kaffee/Tee)
  • Abfahrt Wien: 19:46, Ankunft Paris 9:43 (mit leichter Verspätung)
  • Abfahrt Paris: 18:48, Ankunft Wien 10:13
  • Bettzeug bekommt man im Zug
  • Wachkabinen sind am Beginn des Liegewagens

Fazit

Wir waren begeistert. Glück hatten wir mit unseren Mitreisenden, was ziemlich ausschlaggebend für eine angenehme Nacht ist. Mit unserer Kleinen (2) im Zug reisen war eine entspannte Lösung. Vor allem, da man meist zentral in einer Stadt ankommt, ein Hotel in der Nähe vom Bahnhof buchen und somit bald in das Stadtleben eintauchen kann – das spart definitiv Zeit. Kein ewiges Hin und Her, von und zum Flughafen. Für uns war es definitiv eine kostengünstige, zeiteffiziente und neue Reisemöglichkeit. Sehr zu empfehlen mit Kleinkind/Kindern, speziell ab 2 Jahren wenn man bereits für den Flug zahlen muss.

Hier kannst du unser Abenteuer durch Paris nachlesen.

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