Vorteile und Tipps für bewussten Verzicht, um Platz für das Wesentliche zu schaffen.

In einer Welt, die von Konsum und Überfluss geprägt ist, gewinnt der Minimalismus immer mehr an Bedeutung. Wir haben uns für mehr Einfachheit & Reduktion von Besitz entschieden. Vom Minimalismus sind wir als Familie aber noch weit entfernt. Vor 100 Jahren besaß jeder Mensch im Durchschnitt 180 Dinge, jetzt sind es über 10.000! Das ist mehr denn je und trotzdem sind wir unzufriedener als früher.
In diesem Blogbeitrag erzähle ich, wie wir uns dem Minimalismus etwas genähert haben und ich gebe einige praktische Tipps, die du ihn in deinem Leben umsetzen kannst.
- Was ist Minimalismus?
- Minimalismus durch unser Leben im Wohnmobil
- Vorteile von einem bewussteren Lebensstil
- Tipps für mehr Einfachheit & Reduktion
- Fazit
Was ist Minimalismus?
Minimalismus ist ein Lebensstil, der auf Einfachheit und Reduktion abzielt. Es geht darum, sich von Dingen zu trennen, die keinen Mehrwert haben, um sich so von unnötigem Stress zu befreien, damit mehr Platz für die Dinge ist, die wirklich wichtig sind. Ziel ist bewusster zu leben, sich auf das zu konzentrieren, was Freude macht und Erfüllung bringt. Etwa 10.000 Dinge soll jede:r Deutsche im Schnitt besitzen, sowie ca. 100 Dinge die sich dem Minimalismus zuschreiben.
Kennst du das Gefühl: du stehst vor einem gefüllten Kleiderschrank, findest aber nichts zum Anziehen? Wir sind zwar keine Minimalisten, davon sind wir weit entfernt, aber wir haben uns entschieden mehr Einfachheit & Reduktion in unseren Lebensalltag zu bringen. In der Vergangenheit haben wir hier mal ein T-Shirt, dort eine Hose und da die schicken Schuhe gekauft – ohne nachzudenken, ob man diese Dinge wirklich benötigt. Dann kam Corona, Lockdown, Stillstand und die erste Erkenntnis: man hat doch eh alles zuhause – sogar Klopapier.
Minimalismus durch unser Leben im Wohnmobil
2021 haben wir uns entschlossen mit dem Wohnmobil ein Jahr durch Europa zu reisen. Unsere 70m2 Wohnung haben wir gekündigt und die nötigsten Sachen in ein 6m2 großes Lager verfrachtet. Das ausmisten war mühsam – so viel Gerassel. Jede Schublade, jedes Regal, jede Kiste, Lade um Lade, alles wurde einzeln inspiziert. Einiges wanderte in Umzugskartons, das ein oder andere ins Wohnmobil und der Rest wurde verkauft oder zur Spende gebracht. Uns viel es oft schwer Dinge loszulassen.
Unser geliebtes Auto haben wir verkauft, das tat vorerst weh, aber auch hier sind wir froh, dass es nicht ein Jahr sinnlos herumstand (und trotzdem Kosten verursacht), sondern eine neue glückliche Besitzerin gefunden hat. Im Lager mussten wir Tetris spielen, damit wirklich alles reinpasste. Damals dachten wir schon, dass wir uns von extrem vielen Sachen getrennt haben.
In einem Jahr auf 7m2 lernt man dann wirklich, dass man nicht viel zum Leben braucht. Wir hatten alles dabei, was nötig war: eine voll ausgestattete Küche (wir haben fast jeden Tag gekocht), genügend Klamotten, sogar unsere Fahrräder. Konsum war nebensächlich, da wir einfach keinen Platz im Camper hatten. Während des Jahres haben wir nur das Nötigste gekauft, wie neue Schuhe für die Kleine oder einen Autokindersitz, da die Babyschale zu klein wurde. Dadurch wurde uns bewusst, wie stressfreie und einfache ein Leben mit weniger Besitz ist.
Was ist nach diesem Jahr passiert?
Wenig Dinge zu besitzen ist befreiender und diesen Lebensstil möchten wir gerne fortführen. Nach unserer Rückkehr sind wir zu dritt in eine kleinere Wohnung gezogen. Als wir unser Lager ausgeräumt haben, trennten wir uns nochmals von vielen Dingen. Wir standen auf einmal da und fragten uns, warum haben wir 3 Erdäpfelschäler, 10 Handtücher sowie unzählige Gläser? (Ich könnte hier noch einiges aufzählen). Also weg damit.
Seit dem hat sich unser Konsum drastisch reduziert. Wir überlegen bei jedem Kauf: Brauchen wir das wirklich? Eine Kuchenform, die seit 3 Jahren nicht verwendet wird, wird auch die nächsten 3 Jahre nicht verwendet. Viel zu oft denken wir, dass wir dies oder jenes vielleicht nochmal brauchen könnten. Doch dieser Tag trifft selten ein. Braucht man wirklich 10 Paar (oder mehr) Schuhe, 4 Pfannen, 7 Töpfe? Wir haben in der Wohnung nur 4 Herdplatten. Ja, aber … Nix aber!. Gerade beim Reduzieren oder beim Minimalismus zählen keine Ausreden.
Vorteile von einem bewussteren Lebensstil
Wer wenig besitzt, muss sich auch um weniger kümmern und hat dafür mehr Platz und Zeit und das kann glücklich machen. Hier sind Vorteile von einem bewussteren Lebensstil:
- Mehr Freiheit: Weniger Besitz bedeutet weniger Verpflichtungen und mehr Freiheit, das Leben nach deinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.
- Weniger Stress: Weniger Dinge bedeuten weniger Unordnung und weniger Stress beim Aufräumen und Organisieren. Das merken wir vor allem mit der Kleinen im Alltag. Wir benötigen nicht viel Zeit zum Aufräumen/Putzen und haben dadurch mehr Zeit für uns.
- Bessere Finanzen: bewussterer Konsum spart Geld.
- Fokussiertheit: auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.
- Umweltbewusstsein: Durch Reduktion und bewussten Konsum kannst du deinen ökologischen Fußabdruck verringern und zur Nachhaltigkeit beitragen.
- Reduktion bezieht sich auch auf menschliche Beziehungen. Qualität vor Quantität.

Tipps für mehr Einfachheit & Reduktion
Man muss jetzt nicht in ein Wohnmobil ziehen, um seinen Besitz zu reduzieren. Dafür gibt es auch andere Wege:
- Weniger ist mehr: Entrümpeln. Beginne mit einem Raum oder einer Kategorie (z.B. Kleidung, Bücher) und frage dich bei jedem Gegenstand, ob er wirklich notwendig ist oder Freude bringt. Schenke oder verkaufe Dinge, die du lange nicht mehr benutzt hast.
- Nimm eine Kiste, und packe jeden Tag ein, was du nicht benötigst, bis die Kiste voll ist. Dann verstau diese im Kasten oder unterm Bett. Nach einem Monat nimm die Kiste zur Hand und schau was du noch benötigst.
- Digitaler Minimalismus: Lösche nicht benötigte Apps und E-Mails und reduziere die Zeit in sozialen Medien.
- Kaufgewohnheiten überdenken: Bevor du etwas kaufst, frage dich, ob es wirklich notwendig ist und ob es einen echten Mehrwert in deinem Leben bringt. Manchmal hilft es auch eine Nacht drüber zu schlafen. Wenn du etwas kaufst, dann entsorge etwas anderes.
- Qualität über Quantität: Investiere in hochwertige Produkte, die länger halten, anstatt viele billige Dinge anzuhäufen. Dies spart langfristig nicht nur Geld, sondern reduziert auch den Müll.
- Loslassen lernen: Der schwierigste Teil des Minimalismus ist das Loslassen. Das war auch für uns nicht einfach. Manchmal braucht es auch Zeit und du möchtest dich nicht sofort von etwas trennen, aber in 3 Monaten sieht das vielleicht schon ganz anders aus. Ich konnte mich anfangs nicht von meiner großen Büchersammlung trennen, ein Jahr später war ich bereit dazu und habe nur die wichtigsten behalten.
- Nachhaltigkeit: Minimalismus und Nachhaltigkeit gehen oft Hand in Hand. Indem du bewusster lebst und weniger konsumierst, trägst du dazu bei, Ressourcen zu schonen und die Umwelt weniger zu belasten.
Weitere Tipps:
- Klebe auf deinen Briefkasten „Kein Werbung“. So verringerst du deinen Papier- und Plastikmüll und verschwendest keine sinnlose Zeit mit Werbeprospekten. Wie viel Mehrwert bringt dir wirklich ein Werbeprospekt?
- Kein Fernseher: wir haben uns entschieden unseren eingelagerten Fernseher doch noch zu verschenken, wir vermissen ihn bis jetzt nicht.
Fazit
Der Weg zur Reduktion / zum Minimalismus ist ein Lebensstil, der uns hilft ein erfüllteres und bewussteres Leben zu führen. Wir fühlen uns zu Dritt sehr wohl in unserer kleinen Wohnung und ich möchte nicht gegen mehr Platz tauschen. Mehr Platz heißt mehr Gerassel, was sich wieder ansammelt und mehr Arbeit. Natürlich sammelt sich wieder was an, aber gleichzeitig findet sich immer wieder etwas, was man nicht mehr braucht. Durch den einfacheren Lebensstil geben wir nicht mehr wahllos Geld für Dinge aus, sondern verstärkt für Momente und das ist schlussendlich das entscheidenden. An gemeinsame Momente erinnern wir uns eher und weniger an die Schuhe, die wir vor 5 Jahren trugen.
Wie siehst du das? Kannst du dir vorstellen einfacher zu Leben?
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Happiness

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