Was ist denn dieses Glück eigentlich?

Und wie können wir es steigern?

6–9 Minuten

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich sein ist der Weg. (Buddha)

Glück, Zufriedenheit, Happiness, Freude, Wohlbefinden…. viele dieser Wörter springen uns regelmäßig entgegen. Zahlreiche Ratgeber und Magazine platzieren sich dominant in diversen Geschäften und schreien danach gekauft zu werden, nur um uns glücklich machen. Aristoteles hat schon gesagt: alles, was wir tun zielt darauf ab uns glücklich zu machen, Glück strebt jeder Mensch an. Aber was bedeutet Glück eigentlich? Können wir es lernen glücklich zu sein, warum ist es überhaupt notwendig und was könnte uns helfen? Alle Antworten zu diesen Fragen findest du in diesem Blogbeitrag. 

Glück – Wohlbefinden: Was denn jetzt und was bedeutet es überhaupt? 

Sonja Lyubomirsky (Professorin für Psychologie und Glücksforscherin) verweist beim Begriff „Glück“ auf das Erleben von Freude, Zufriedenheit oder positives Wohlbefinden, kombiniert mit dem Gefühl, dass das eigene Leben gut, bedeutungsvoll und lohnenswert ist. Die meisten Menschen benötigen jedoch keine Definition von Glück, da wir instinktiv wissen, ob wir glücklich sind oder nicht. In der Wissenschaft wird der Begriff „Wohlbefinden bzw. wellbeing“ verwendet. Laut Martin Seligmann (Begründer der positiven Psychologie) ist das Wort „Glück“ ziemlich strapaziert worden und für die Wissenschaft bedeutungsleer. Ich werde daher die Begriffe „Glück“ und „Wohlbefinden“ auf meinem Blog synonym verwenden. 

Ist es möglich glücklicher zu werden? 

Die gute Nachricht vorneweg: Das eigene Glück kann man steigern bzw. erlernen! Es braucht nur eine Person dazu – nämlich dich selbst. Du bist für deine Einstellung, dein Denken und dein Handeln verantwortlich und daher auch für dein Wohlbefinden. Weltweit ist bei der Mehrheit der Menschen das Glücklichsein eines der wichtigsten Lebensziele – nicht nur für einen selbst, sondern auch für die eigenen Kinder. Glück ist kein zufälliger Moment, auf den wir warten müssen, wie das Ende eines Regentages. Glück ist auch nichts, das wir finden müssen, wie eine verlorene Brieftasche.

Wohlbefinden zu erreichen erfordert nicht unbedingt tief in der eigenen Kindheit zu graben oder vergangene traumatische Erfahrungen zu untersuchen. Es ist auch nicht unbedingt erforderlich einen bestimmten Wohlstand zu erreichen oder gesund zu sein. Es gibt Dinge, die du sofort umsetzen kannst um dein Wohlbefinden zu steigern, selbst wenn du tief verzweifelt bist. Wohlbefinden ist kein Zustand, der dauerhaft erreicht werden kann, es ist vielmehr ein ständiger Prozess, der deine Aufmerksamkeit und Pflege erfordert.

Was ist für mein Glück verantwortlich? 

Unser Glück ist 50% von unseren Genen und 10% von unseren Lebensumständen bestimmt. Die restlichen 40% haben wir selber in der Hand. Ein großer Teil ist uns somit in die Wiege gelegt worden. Jeder von uns wird mit einem bestimmten Glücksgen geboren, das wir vererbt bekommen. 

Die 10% Lebensbedingungen sind Faktoren, die wir nicht ändern können. Dazu zählen Dinge, wie Rasse, Geschlecht, aber auch Faktoren, die man ändern kann – wie Familienstand. Diese Umstände sind in der Regel von Dauer, man gewöhnt sich schnell daran und der Einfluss auf das Wohlbefinden lässt nach. 

Die übrigen 40% sind äußere Umstände. Hier können wir wirklich aktiv etwas tun, um glücklicher zu werden. Dazu zählen Dinge, die wir bewusst machen: z.B. Yoga, Joggen, ein Buch lesen oder ungesundes Essen. Bei diesen 40% haben wir somit Spielraum unser Wohlbefinden in unserem täglichen Tun zu steigern oder eben auch zu verringern.

Basierend auf den Modell von Sonja Lyubomirsky

Warum sollen wir überhaupt nach Glück streben?

Die Forschung zeigt, dass Glücklichsein per se nicht nur dazu führt, dass sich eine Person besser fühlt. Vielmehr kommt Glücklichsein mit einer Vielzahl positiver Nebeneffekte, die meistens keine Beachtung finden. Wir erleben beim Glücklichsein nicht nur Freude, Zufriedenheit, Liebe, sondern verbessern auch andere Aspekte in unserem Leben: unsere Energie, Kreativität, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen sowie unsere körperliche und geistige Gesundheit. 

Indem wir glücklicher werden, stärken wir auch unser Selbstvertrauen und unser Selbstwertgefühl. Glücklichere Mensch sind resilienter, gesünder und leben länger. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass wir durch unser eigenes Glück nicht nur uns selbst, sondern auch unser soziales Umfeld (Partner:in, Familie, Freundeskreis) positiv beeinflussen und sogar der Gesellschaft insgesamt zugutekommen. 

Muss ich jetzt immer glücklich sein?

Die Vorstellung, dass wir ständig glücklich sein müssen und das Leben immer schön ist, ist Quatsch. Die ständige Jagd nach Glück macht auf Dauer tatsächlich unglücklich. Die Erwartung immer glücklich zu sein, kann letztlich überfordern und das Gegenteil auslösen, nämlich Stress. Anna Maas (Autorin von „Die Happiness-Lüge“) hat sich mit diesem Thema eingehend beschäftigt. Wenn wir versuchen alles krampfhaft durch die rosarote Brille zu betrachten und wenig bis keinen Raum für unangenehme Gefühle lassen, kann das belastend sein. 

Doch wenn wir uns ins Bewusstsein holen, dass das normale Leben ab und zu mal stressig und schwierig ist und wir diese negativen Erfahrungen dann auch mit anderen teilen, wirkt sich das positiv auf unser Wohlbefinden aus. Im schlimmsten Fall kann zwanghaftes positives Denken, auch toxische Positivität genannt, unsere psychische Gesundheit beeinträchtigen. Kummer und Sorgen sollten einen Platz in unserem Leben haben. Schmerz akzeptieren, verstehen und teilen zu können ist laut Anna Maas der Schlüssel zu Liebe, sozialen Bindungen und Zufriedenheit. 

Gibt es ein Rezept für mehr Wohlbefinden?

Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Wohlbefinden ist für jeden individuell und subjektiv. Was für den einen Menschen hilfreich ist, kann für den anderen unbedeutend sein. Dennoch gibt es einige grundlegende Prinzipien, die dabei behilflich sind das Wohlbefinden zu steigern. Dazu zählt das anerkannte PERMA-Modell von Martin Seligman.  

PERMA-Modell von Martin Seligman – Was macht uns glücklich?

Martin Seligman erforschte, was ein sinnerfülltes Leben ausmacht. Seine Ergebnisse stellte er in einem Modell aus 5 Elementen dar, die für unser Wohlbefinden entscheidend sind: 

  • Positive Emotionen
  • Engagement 
  • Relationships 
  • Meaning 
  • Accomplishment 

Was bedeutet die einzelnen Elemente aus dem PERMA-Modell?

PERMA-Modell von Martin Seligman

Positive Emotionen – sich gut zu fühlen:

Erwiesen ist, dass wir mindestens drei mal mehr positive Emotionen benötigen als negative. Negative Emotionen wiegen schwerer und ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich. Um glücklich zu sein, brauchst du daher mehr positive Gefühle, als negative. Positive Emotionen können sein: Gelassenheit, Freude, Zuversicht, Stolz, Liebe. Lebst du in einem Umfeld, wo du positive Emotionen erlebst bzw. ermöglicht werden? 

Engagement – in einer Tätigkeit aufgehen:

Bedeutet, dass du deine Stärken kennst und diese auch nutzt. Du setzt deine persönlichen Stärken ein um in den sogenannten Flow-Zustand versetzt zu werden. Kennst du deine Stärken und setzt du diese regelmäßig sein?

Relationship – Enge & gute Beziehungen zu anderen:

Gelingende, positive Beziehungen tun uns gut. Wenn du diese pflegst, löst das eine hohe Zufriedenheit aus. Dabei zählt Qualität vor Quantität, gute und tiefgreifende Beziehungen machen besonders glücklich. Es geht nicht darum eine hohe Anzahl an Beziehungen zu haben, sondern um die wirklich guten. Wer sind deine wichtigsten Menschen in deiner Umgebung und pflegst du diese Beziehungen regelmäßig? 

Meaning – Erfüllung und Sinn: 

Bedeutet Erfüllung und Sinn in deinem Leben, in dem was du tust. Sinnerleben hängt eng mit deinen Werten zusammen. Wie sehr verspürst du Sinn in dem was du tagtäglich tust? Wie kannst du mehr Dinge tun, die für dich sinnvoll erscheinen?

Accomplishment – das Gefühl zu haben, etwas erreicht zu haben: 

Ziele zu haben ist wichtig. Sich gute Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen fördert dein Wohlbefinden. Kennst du deine wichtigsten Ziele im Leben? Sind es Ziele, die dich wirklich glücklich machen oder sind es Ziele, um die Erwartungen von anderen Menschen zu erfüllen? 

Zusammengefasst besagt das PERMA-Modell von Martin Seligman, dass wir es selbst in der Hand haben unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit zu erhöhen und zu gestalten. Kein einzelnes dieser Elemente definiert dein Wohlbefinden, aber jedes trägt dazu bei. Viele Elemente sind auch eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Du solltest möglichst viele von den fünf Elementen auf deiner Reise zu mehr Wohlbefinden erlangen.

Nachhaltig glücklicher zu werden erfordert dauerhafte Veränderungen, die jeden Tag Anstrengung und Engagement in deinem Leben bedeutet. Zu akzeptieren, dass nichts von Dauer ist, kann helfen dein Glück zu finden. Das Streben nach Glück, das steigern deines Wohlbefindens ist Arbeit, aber diese Arbeit ist die lohnenswerteste Tätigkeit, die du je tun wirst, für dich und dein Umfeld. 

Quellen:

  • Martin Seligman: Flourish- wie Menschen aufblühen
  • Sonja Lyubomirsky: The how of happiness
  • Anna Maas: Die Happiness-Lüge, Wenn positives Denken toxisch wird

Was glaubst du trägt zu deinem Wohlbefinden bei? 

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4 Antworten zu „Was ist denn dieses Glück eigentlich?“

  1. So spannend und gleich motivierend dass zu lesen 🙂

    DANKE 🙂

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    1. Vielen Dank für dein motivierendes Feedback 🙂

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  2. Toller Artikel – danke für die Inspirationen 🙂

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